12 Mai 2008

Einweihung der neuen Glocke in Lambarene

Wir berichteten bereits von der Aktion zur Beschaffung einer neuen Glocke für Lambarene durch Herrn Ullmann

Dr. Roland Wolf, Präsident der Internationalen Spitalstiftung FISL, schreibt zur Einweihung der Glocke:


Der Transport der neuen Glocke für das Dorf des Lichtes erforderte doch viel Mühe und viele organisatorische Aktivitäten. Nachfolgend einige Daten, die die Dauer des Transportes belegen:

17. April 2007: Transport von der Kunst-und Glockengießerei Lauchhammer nach

Straßburg

22. April 2007: Abtransport im Container zum Rheinhafen in Straßburg

3. Mai 2007: Abfahrt des Schiffes nach Holland

27. Juni 2007: Ankunft der Glocke in Libreville

22. Juli 2007: Ankunft der Glocke in Lambarene

28. März 2008: Feierliche Einweihung der Glocke im Dorf des Lichtes


Einweihung der neuen Glocke im Lepradorf

am 28. März 2008

Auf dem Weg, der vom Alten Spital Albert Schweitzers zum aktuellen Krankenhaus führt, liegt am Rande eines kleinen Platzes die Tischlerwerkstatt. Am Morgen nach meiner Ankunft werfe ich einen Blick hinein, und da steht sie, die Glocke, nicht zu übersehen in ihrem massigen Tragegestell. Man hat Eisenholz dafür genommen, wie es auch für Bahnschwellen verwendet wird, etwas größer als das vorgesehene Maß, damit aber auch solider. Nach Aussage des technischen Direktors, Peter Teh, wiegt das Gestell mehr als die Glocke selbst, die über 200 Kilogramm auf die Waage bringt.

Die offizielle Einweihung ist für den Freitag vorgesehen. So können die Stiftungsratsmitglieder, die bereits zur jährlichen Sitzung eingetroffen sind, an der Feier teilnehmen. Das ist wichtig für die Bewohner des Lepradorfes, die sich oft ein wenig vernachlässigt fühlen gegenüber den Einwohnern des Spitaldorfes, obwohl beide nur etwa 500 Meter trennen.

Bereits am Mittwoch wird die alte Glocke abgenommen, die schon seit geraumer Zeit keinen Ton mehr von sich gab. Sie nimmt nun als Zeitzeugin ihren Weg ins Museum im alten Spital. Am Tag darauf wird die neue Glocke aus ihrem Gestell genommen und dieses demontiert. Zusammen sind Glocke und Gestell zu schwer, um transportiert zu werden. Im Lepradorf wird dann alles erneut zusammengesetzt und auf dem erneuerten Betonsockel mit dem frisch gestrichenen Wellblechdach aufgestellt. Nun ist alles bereit für die Einweihung am nächsten Tag.

Als ich kurz vor elf Uhr im Lepradorf ankomme, sitzen die Dorfältesten, darunter einige der letzten der noch rund 30 ehemaligen Leprakranken, auf Bänken vor der Behandlungshütte, die den Namen von Schweitzers schwedischer Gönnerin, der Baronin Greta Lagerfelt, trägt. Vor ihnen das Gestell mit der neuen Glocke auf dem Betonsockel, dahinter geht der Blick über die „Hauptstraße“, die zwischen den beiden Reihen langgestreckter Hütten nach oben ansteigt, wo unter Schatten spendenden Bäumen die asphaltierte Straße zum Neuen Spital führt.

Plötzlich ertönt heller Gesang aus Kinderkehlen, und zwischen zwei Häuserzeilen kommt mit rhythmischen Bewegungen der Mädchenchor hervor und stellt sich, unterstützt von zwei Trommlern, unweit der Glocke auf. Zwischen ihnen und den Bänken für das Publikum befindet sich ein Tisch, an dem ich
mich mit dem protestantischen Hilfsgeistlichen niederlasse, der den verhinderten Pastor vertritt.

In einer kurzen Ansprache zeichne ich die Geschichte des Lepradorfes und seine Bedeutung für Albert Schweitzer und sein Krankenhaus nach und gehe dann auf die neue Glocke und deren Spender ein. Und erinnere die Dorfbewohner daran, dass es nun ihre Aufgabe sein wird zu bestimmen, wann und durch wen die neue Glocke geläutet wird.

Den weiteren Verlauf bestimmt der Geistliche, dessen Gebete und Bibelverse immer wieder vom Gesang des Mädchenchors unterbrochen werden. Den Abschluss bildet die Weihe der Glocke, die nun zum ersten Mal geläutet wird. Wie man mir später berichtet, ist ihr Klang bis ins Spital gedrungen. Und ich bin ziemlich sicher, dass er auch über den nördlichen Flussarm des Ogowe hinweg am Ufer der Insel zu hören ist, auf der sich das Zentrum von Lambarene befindet.

Dr. Roland Wolf
Präsident der Internationalen Spitalstiftung FISL


Dank

Die Stiftung „Albert-Schweitzer-Gedenk-und Begegnungsstätte Weimar“ und „Albert-Schweitzer-Komitee e. V.“ danken Herrn Dr. Wolf für seine Bemühungen um den Transport und den Bau des Glockenstuhls in Lambarene, sowie für das „Miteinander“, das für das Gelingen des Vorhabens von Bedeutung war.